"Time to bring the funk and intensity back in a new way. Time
to open the sound again", sagt Luke Slater zu seinem Planetary Assault Systems
Album "Temporary Suspension", das Ende Juni auf OstGut Ton erscheinen wird.
Damit erklärt der Brite, der seit über zwanzig Jahren immer wieder erfolgreich
nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten innerhalb der elektronischen Musik gesucht
hat, treffsicher, worum es bei diesem Album geht: Funk und Intensität. Dabei
entzieht sich "Temporary Suspension", das als gemixte CD mit zehn Tracks sowie
als DJ-freundliches Doppel-Vinyl mit sechs Tracks erscheint, sämtlichen
aktuellen Soundmoden. Slater generiert über die gesamte Spielzeit eine
industrielle Härte und Energie, die man schon länger nicht mehr dermaßen auf den
Punkt gebracht bei einem Technoalbum gehört haben dürfte. Schon der erste Track
"Open Up" setzt den Standard für das Kommende: ein treibender Groove, um den
sich ein sägendes Synthgewitter und verwirrende Glockenmelodien winden.
"Whoodoo" taucht danach mit einer kompromisslosen Metal-Percussion tief in die
Ursuppe von Techno ein. Und zwar: laut und schnell. "Om The Def" nimmt den Fuß
wieder vom Gaspedal und kann mit seinem Arrangement, das mit Bongos und einer
funky verzerrten Bassline immer wieder zwischen dicht und luftig changiert,
einen ersten Höhepunkt setzen.
Mit dem nächsten Track "Hold It" bezieht
sich Slater dann unüberhörbar auf seine frühen Djax-Up-Wurzeln: ein unglaublich
sexy daherkommender Chicago-House-Stomper, der wie eine überarbeitete Version
eines frühen Armando-Stücks klingt. Ebenfalls äußerst interessant ist "Attack Of
The Mutant Camels": Eine dermaßen krasse Bassline, die in Bezug zu einem
verschleppten Maschinengewehr-Rhythmus gesetzt und danach genüsslich durch ein
Noise- und Bleep-Gewitter gejagt wird, dürfte man selten gehört haben. Ein
klangliches Abenteuer, das sich in den folgenden Tracks auf andere Weise
fortsetzt, bis Slater auf "Gateway To Minia" die Beats fallen lässt und dunkle,
ambiente Synthakkorde in einer Noise-Kakafonie kulminieren. Doch damit endet das
Album nicht: Slater packt im letzten Track nochmals die Bassdrum aus und hat die
Tanzfläche voll im Visier: "I'm someone who can't live in the past, I have an
uncompromising need to innovate and to go forward, but with my audience in
mind". Dass Slater hier einen derart rauhen Soundentwurf für Techno vorlegt,
dürfte kaum überraschen. Seit seiner ersten Veröffentlichung 1989 hat er immer
wieder seine musikalischen Grenzen ausgelotet und verschoben. Planetary Assault
Systems war dabei immer sein Projekt für harten, kompromisslosen Techno, seine
Platten auf Peacefrog sind fast allesamt Klassiker ihres Genres geworden. Doch
Slater hat auch immer wieder andere Seiten gezeigt: sei es als damals typisch
britisch wahrgenommene Electronica als Morganistic, intelligenter Ambient als
7th Plain, unter seinem eigenen Namen Konzept-Detroit-Techno auf Novamute bzw.
Mute Records ,sowie in den letzten Jahren auch verstärkt
Electrorock-Bandprojekte auf seinem 2006 gegründeten Label Mote-Evolver. Die
Zusammenarbeit mit OstGut Ton hat sich aus der DJ-Residency Slaters im Berghain
entwicklelt - bereits auf der Ballett-CD "Shut Up And Dance! Updated" war er mit
einem exklusiven Ambientrack vertreten. Dass er jetzt auch sein Planetary
Assault System Album auf OstGut Ton veröffentlicht, war auch für ihn nahe
liegend: "OstGut Ton makes excellent use of art and music and that's what
attracted me to the label in the first place, the music and the art. And that's
very much in line with the way I think and feel." OstGut Ton ist stolz mit
Planetary Assault Systems Slaters wohl einflussreichstes Projekt zu
präsentieren. Mit dieser Veröffentlichung schließt sich für das Label ein Kreis
aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft seiner
Einflüsse.
tracks
01. Open Up
02. Whoodoo
03. Om The
Def
04. Hold It
05. Enter Action
06. X Speaks To X
07. Attack Of The
Mutant Camels
08. Temporary Suspension
09. Gateway To Minia
10. Sticker
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