label: ostgut
ton
produkt: cd
stil:
techno
bezirk:
friedrichshain-kreuzberg
Nomen est omen. Dettmann ist das Debütalbum des gleichnamigen
Berghain-Resident-DJs, Produzenten und Labelbetreibers - und was für
eines.
Fest verbunden mit dem Mythos Berghain, der zugehörigen
Labeladresse Ostgut Ton und der damit einhergehenden Regeneration
schnörkelloser, entschlackter und kraftvoller elektronischer Musik, gelingt
Marcel Dettmann mit seinem Erstling ein äußerst seltenes Kunststück: die
Fertigung eines wahrhaftigen und fesselnden Technoalbums.
"Eingerahmt von
"Quasi" und "Taris", transportiert Dettmann auf zehn Stücken erfrischend
unverkrampft die rohe Energie und kühle Ästhetik von Techno. Der Berliner
Produzent verzettelt sich in diesem bockigen Format weder in anstrengenden
Fingerübungen, die über sein angestammtes Handwerk hinausweisen wollen, noch
übergibt er dem Zuhörer ungestüme oder leichtfertige Tracks, die sich
ausschließlich auf 12-Zoll und in DJ-Taschen heimisch fühlen würden. Stücke wie
"Reticle", "Drawing", "Captivate" oder "Silex" wirken wie eine Konzentration
seines bisherigen Schaffens und seiner beachtlichen Veröffentlichungsgeschichte.
Da gibt es einerseits die eigene unabhängige und kompromisslosen Plattform MDR,
andererseits seine Arbeit als Remixer (jüngst unter anderem für Mikkel Metal,
Fever Ray oder die Junior Boys) und nicht zuletzt den Dialog mit seiner Funktion
als Discjockey.
Kontemplative Momente, in denen scheinbar schwebende
Soundschichten wie Melodien und Akkorden eingesetzt werden, wechseln sich ab mit
verdichteten, komprimierten und markigen Augenblicken - ruppige Strenge
folgt auf herbe Schönheit. Dabei fällt Dettmann erstaunlicherweise nie der
gefährlichen und verführerischen Nostalgie anheim. Jener Sehnsucht nach alten
Zeiten, die sich in den letzten Jahren oft als lähmende Geliebte an die Seite
von Produzenten schlich, die sich nicht der Effekthascherei bedienen wollten.
Dettmann hingegen klingt auf ganzer Länge so frisch und in sich geschlossen, wie
Techno in diesen Tagen nur klingen kann und etabliert seinen Namensgeber
endgültig als nicht mehr wegzudenkende und obligatorische Größe.
Und
Dettmann selbst? Auf die Frage, was ihn persönlich an einem Album interessiert:
"Ich mag Musik die Tiefe hat, bei der ich etwas empfinde. Dafür gibt es keine
Formel. Das kann ein Konzept Album sein oder eines, das sich an verschiedenen
Stilen bedient." Wie auch immer man nun sein eigenes klassifizieren mag, Marcel
Dettmanns Meditation über den Zustand der Kunstform ist jedenfalls durch und
durch gelungen.
tracks
01. Quasi (Intro)
02.
Argon
03. Screen
04. Motive
05. Drawing
06. Reticle
07.
Irritant
08. Captivate
09. Silex
10. Home
11. Viscous
12. Taris
(Outro)